Germanistische Weltpremiere in Senden

„Treffen sich zwei Germanisten…“ – Was klingt wie der Anfang eines Witzes, war in Wahrheit der Titel eines Programms von René Steinberg und Nektarios Vlachopoulos, das am Freitag in Senden Weltpremiere feierte. Und es war nicht nur witzig, sondern auch spannend, an manchen Stellen überraschend und es machte nachdenklich. Dass die Premiere des Programms ausgerechnet in Senden erfolgte, war kein Zufall: Der Anstoß dazu kam vor rund anderthalb Jahren vom damaligen Kulturamtsleiter Günter Melchers.

Es war ein Abend rund um Bücher, Lesen und Sprache. Zu Beginn wurde kurz das Thema Corona angeschnitten. Neben der Frage „Wer hamstert so spät bei Nacht und Wind“ stellte Steinberg fest, dass Corona unter anderem eine riesige Weiterbildungsmaßnahme war: Durch den Ausfall der Fußball-Europameisterschaft wurden Millionen von Meistertrainern über Nacht zu Virologen, so seine Beobachtung.

Vlachopoulos, der nach dem Germanistikstudium zweieinhalb Jahre als Lehrer arbeitete, steigt mit einer „Ode an Magister Lämpel“ im Stile Wilhelm Buschs ein. In einem weiteren Text gibt er wider, wie eine Studentenparty aus Sicht eines Junglehrers wirkt.

Auch die Sprache von Politikern wurde thematisiert. Durch Politiker würde die deutsche Sprache durch so schöne Wortschöpfungen wie „schubladisiert“ bereichert, so Steinbergs Feststellung. Helmut Kohl konnte sein Versprechen, dass es durch die Einheit keine Steuererhöhungengebe, durch die Einführung des Solidaritätszuschlags einhalten. Und „eine negative Mehrheit“ hört sich viel besser an als „Minderheit“.

Auch die verschiedenen Dialekte wurden thematisiert. So sei die Feststellung „Es regnet.“ nicht ansatzweise so anschaulich wie das im Ruhrpott gängige „Et is am Plästern dran.“ Und was der schwäbische Dialekt in deutschen Schlafzimmern anrichten kann machte Vlachopoulos deutlich, indem er in seinem Ausschnitt von 50 Shades of Grey den Hauptakteur durch einen waschechten Schwaben ersetzte.

Insgesamt war der Abend ein Plädoyer für das Lesen: Ein Buch kann einen in 80 Tagen um die Welt oder 20 000 Meilen unter das Meer bringen. Es sei nachgewiesen, dass sich durch Lesen die Hirnrinde vergrößere: „Ein dicker Kopp muss also nicht vom Schützenfest kommen“, so Steinberg. „Wenn du Käpt’n Ahab kennst, verachtest du Kapitän Florian Silbereisen“, ist er sich sicher.

Aufgrund der Corona-Auflagen wurde die Premiere des diesjährigen Kabarett-Abos in zwei Teile gesplittet: Um 19 Uhr und um 21 Uhr starteten die Vorführungen. Dies wird auch beim kommenden Termin mit Chin Meyer so sein, dann jedoch an zwei Tagen: Am 3. Oktober um 20 Uhr und als Matinee am 4. Oktober um 11 Uhr.

Fotos + Text: Andreas Krüskemper

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